Jacobs University Bremen
von Ilona Ibragimova


Eine internationale Universität in Vegesack?! Vegesack, warum denn hier?! Eine kleine und ganz normale deutsche Stadt mit nichts besonderem! Ja, eine ungewöhnliche Situation, aber es ist trotzdem wahr, es gibt eine private und internationale Universität in Bremen, oder ganz genau in Vegesack. Viele glauben, dass hier nur reiche und eingebildete Leute studieren und dass andere, die finanziell schlechter stehen, keine Chance haben um hier einen Platz zu bekommen. Das stimmt überhaupt nicht. Viele von unseren Studenten fühlten sich beleidigt als sie solche Vorurteile und Stereotypen über sich erfuhren. Was viele nicht wissen, ist, dass fast alle Studenten finanzielle Unterstützung von der Uni oder auch von Stiftungen bekommen. Ich muss ehrlich sagen, dass die Jacobs Universität wirklich teuer ist und nicht viele von uns es sich leisten können die ganze Summe zu bezahlen. In diesem Bericht, werde ich beschreiben und erklären wie man sich an der Jacobs Uni bewerben kann und wie man finanzielle Unterstützung und Hilfe bekommt.

Zuerst ist es aber wichtig mehr über die Uni zu wissen. Die Jacobs wurde im Jahr 1999 mit Unterstützung von der Universität Bremen, der Rice University (Houston, Texas) und der Freien Hansestadt Bremen gegründet (anfangs als International University Bremen). Im Herbst 2001 haben die ersten Studenten ihr Studium an der IUB angefangen. Der Campus befindet sich in der ehemaligen Roland-Kaserne, die nach dem zweiten Weltkrieg unter amerikanischer Führung als Flüchtlingslager funktionierte und danach von der Bundeswehr benutzt wurde. Die Baracken und Bundeswehr Gebäude wurden in Wohngemeinschaften und Vorlesungs- und Seminar-Räume umgewandelt und renoviert. In 2006 bekam die Uni 200 Millionen Euro von Klaus Jacobs und seiner Jacobs Stiftung, nach dieser Maßnahme wurde die Uni in Jacobs University Bremen umbenannt.

Die Jacobs Uni bietet verschiedene Studiengänge im Bereich Naturwissenschaften, Ingenieurswesen, Geisteswissenschaften, Sozialwissenschaften und Logistik an. Es gibt nicht nur Bachelor Programme, sondern auch Masters und Ph.D Studiengänge. Laut einer Statistik von Dezember 2009 studieren 1254 Studenten aus 98 Ländern an der JUB. Die Jacobs Universität ist auch bekannt für ihre Forschungen, da viel Zeit und Ressourcen, besonders in Naturwissenschaften, investiert wird. Viele Studenten bleiben an der Jacobs Uni und arbeiten für einige Zeit mit ihren Professoren an verschiedenen Projekten. Die Jacobs Universität ist auch für ihre Transdisziplinarität bekannt. Das bedeutet, dass jeder Student/in nicht nur Fächer aus seinem Studiengang studieren muss, sondern auch Fächer aus anderen Fakultäten wie Mathematik, Physik, usw. Natürlich, ist es mehr Arbeit für uns und bestimmt schwerer, da z.B. nicht alle Psychologie Studenten in Mathe oder Naturwissenschaften gut sind. Es ist aber eine gute Methode, da wir mehr lernen und in mehreren Fächern Kenntnisse erlangen, was uns bestimmt im Leben helfen wird. Studenten müssen sehr hart arbeiten um guten Noten zu bekommen, aber das Leben in der Jacobs Universität ist viel mehr als nur bügeln. Es gibt zahlreiche Klubs, wie zum Bespiel den Umweltschutz Klub oder Model UN, Orientalischer Tanzkurs, den Uni Chor und viel viel mehr. Es gibt sogar ein Spruch, den die älteren Studenten neuen Studenten erzählen: „ Man schläft nie an der Jacobs Uni!“. Natürlich ist das übertrieben, aber es stimmt, dass wir nicht so viel schlafen und sehr beschäftigt sind. Viele Studenten haben aber auch noch Nebenjobs.

Na also, was muss man denn machen um sich zu bewerben? Zuerst kann man die Internetseite der Uni besuchen: Jacobs-University.de, dort gibt es alle wichtigen und nötigen Informationen, so wie die Bewerbungs-Formulare und Unterlagen die man auf seinen PC herunterladen kann. Die Formulare beinhalten Fragen zu allgemeinen Informationen, wie zum Beispiel vorherige Ausbildung und Arbeitserfahrung. Was aber sehr wichtig beim Bewerbungsprozess ist, dass man zwei Tests unbedingt schreiben muss. Der erste Test ist der SAT, Scholastic Assesment Test, bei dem seine sprachlichen und mathematischen Fähigkeiten geprüft werden. Man muss aber auch den TOEFL schreiben, um seine guten Englischkenntnisse zu beweisen. Die Ergebnisse von beiden Testen muss man gleichzeitig mit anderen Bewerbungsunterlagen direkt an die Uni schicken. Jeder potentielle Student muss auch ein so genanntes „Personal Statement“ schreiben, oder einen Aufsatz über 1 von 4 Themen, die die Uni ausgewählt hat (Die sind in den Bewerbungsformularen angegeben).

Natürlich muss man auch gute Noten haben, die Chancen sind immer größer für Leute mit gutem Abitur. Es ist aber auch wichtig, dass potentielle Studenten ein soziales und gesellschaftliches Engagement zeigen. Das bedeutet, dass man sich auch außerhalb der Schule mit Projekten, Hobbys oder vielleicht auch mit etwas Wohltätigem beschäftigt hat. Die Zeugnisse und Lehrer Empfehlungsschreiben (ein oder zwei sind eigentlich genug) sollen auch mitgeschickt werden. Es ist immer gut, positive Empfehlungen mitzuschicken und deswegen sollte man darüber nachdenken, von welchem Lehrer/in man die Empfehlung auswählt.

Na gut, jetzt sind alle Papiere fertig und man kann sie endlich zur Uni schicken. Nein, eigentlich nicht. Kannst du die ganze Summe sofort bezahlen, nämlich 11450€ pro Semester? Nein? Also, dann muss man noch ein Bewerbungsformular fertig machen, damit man Finanzielle Hilfe und Unterstützung von der Uni bekommen kann. Diese Hilfe besteht aus einen Grant, Studentenkredit und vielleicht auch ein Scholarship (Stipendium), die individuell für jeden Studenten berechnet wird. Die Unterstützung ist unabhängig von dem Einkommen der Eltern, also es ist eigentlich egal ob man reich oder arm ist. Was zählt sind natürlich die Noten und das Engagement! Was also bedeutet diese Hilfe für einen Studenten? Der Grant, ist wie ein Geschenk, den muss man nicht zurück zahlen. Normalerweise benutzt man dieses Geld um für das Zimmer und Essen in der Uni Kantine zu zahlen. Ein Stipendium bekommt man nicht oft, da man ein Talent oder wirklich ausgezeichnete Noten haben muss. Den Studentenkredit muss man natürlich nach dem Abschluss zurückzahlen und leider mit hohen Zinsen. Nicht viele Leute wissen davon, aber fast jeder Student/in an der Jacobs Uni hat diesen Kredit. Mit der Hilfe des Uni Finanzberaters kann man die Summe ausrechnen, die man monatlich zurückzahlen soll, also es ist wirklich nicht so schlimm einen Studentenkredit zu nehmen.

Es ist aber auch ratsam andere Möglichkeiten für Finanzielle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Zum Beispiel, darf man sich auch gleichzeitig für Bafög bewerben. Bafög muss man auch zurück zahlen, aber ohne Zinsen, was sehr gut ist. Ich persönlich erhalte die Uni Hilfe und Bafög und nutze das Bafög Geld um meinen Studentenkredit schon jetzt (weil die Zinsen kleiner sind) zurückzuzahlen. Sogar im Internet kann man zahlreiche Stiftungen finden, die finanzielle Hilfe und Stipendien anbieten. Ich kann ein Beispiel geben, das besonders für Immigranten hilfreich sein wird. Die Jacobs University arbeitet momentan mit der Vodafone Stiftung zusammen um 6 junge Menschen mit Migrationshintergrund auszuwählen und für ihr ganzes dreijähriges Studium an der Jacobs Uni zu bezahlen. Das ist toll, weil man wirklich nichts für sein Studium bezahlen muss. Natürlich sind sehr gute Noten und soziales und gesellschaftliches Engagement nötig, so wie sehr viele Bewerbungsunterlagen und Lehrer Empfehlungsschreiben (ein gutes Abitur ist eine Voraussetzung). Die ganze Information kann man auf die Internetseite der Stiftung finden:
Vodafone Stiftung .

Wann genau muss man alles hinschicken? Also, für die Jacobs Universität gibt es drei Bewerbungsrunden, nämlich: 1. Dezember, 1. März und 15. Juni. Für die Vodafone Stiftung gibt es andere Voraussetzungen und die Bewerbungsrunde beginnt während des Sommers.

Es ist ein wunderschönes Gefühl, wenn man ein Brief von der Jacobs Universität bekommt und erfährt, dass man da studieren kann. Es lohnt sich wirklich, da die Jacobs Uni eine sehr gute Uni ist und man sich für die Zukunft eine gute Karriere aufbaut. Man lernt viel, trifft viele neue Freunde und sammelt unvergessliche Erfahrungen. Ein Immigrant zu sein, bedeutet nicht, dass man ungebildet und arm sein muss. Man muss alles selbst machen und wirklich hart arbeiten um etwas in diesem Leben zu erreichen.

Ich wünsche euch sehr viel Erfolg und hoffe, dass ihr selbst eure Zukunft aufbauen werdet!


Ilona Ibragimova studiert an der Jacobs Universität Bremen „Intercultural Relations and Behaviour“ und hat im Frühjahr 2010 beim ZIS ein Praktikum absolviert.



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