Kann qualifizierte Zuwanderung aus der Türkei
eine Lösung für Bevölkerungsrückgang und Überalterung in Deutschland sein?

von Ali Eliş

1. Einleitung:
Geburtenrückgang, Überalterung und Bevölkerungsschrumpfung werden nach Meinung anerkannter Demographen in den nächsten Jahrzehnten in Deutschland und Europa zu schwerwiegenden und unübersehbaren sozialen Veränderungen führen. Dass es sich dabei um eine "demographische Zeitwende" (Birg,2001) handelt, ist vor allem bezüglich der Diskussion um das Gesundheits- und Rentensystem höchst brisant. Dass sich der Kinderverzicht in weiten Teilen Europas heute kritisch bis katastrophal auf die jeweiligen nationalstaatlichen Altersstrukturen auswirkt, hat nach Ansicht von Claus D. Kernig damit zu tun, dass es sich bei den derzeit überalternden Gesellschaften vorwiegend um diejenigen westlichen Nationen handelt, welche sich seit Jahrzehnten gegen jede gewichtige Zuwanderung gesperrt haben (Kernig,2006:14). Von dieser These ausgehend wird vorliegender Artikel untersuchen, ob eine zukünftige qualifizierte Zuwanderung die Bevölkerungsschrumpfung und Überalterung in Deutschland stoppen könnte. Dabei richtet sich der Blick vor allem auf das Arbeitskräftepotential aus der Türkei, welches aufgrund wachsender Bevölkerung ein großes Potential an jungen Fachkräften birgt.

2. Demographischer Wandel in Deutschland - Überalterung, Geburtenrückgang und Bevölkerungsschrumpfung

2.1 Fakten:
Nach dem Ende des Ost-West-Konflikts leben wir heute wieder in einer bipolaren Welt (Kernig,2006:81). Die Welt ist zweigeteilt, in die reichen Länder des Nordens und die armen Länder des Südens. Wobei "Nord und Süd" in diesem Sinne nicht geographisch, sondern ökonomisch zu deuten sind (Kernig,2006:12). Im Norden befinden sich die hochentwickelten Industriegesellschaften, die Stammlande des Kapitalismus, während im Süden Entwicklungsländer überwiegen, deren Wirtschaftsdynamik der Bevölkerungsdynamik stark hinterher hinkt (Kernig,2006:82). Die Bipolarität der Welt lässt sich auf einen einfachen Nenner bringen: "Höhere Einkommen bedeuten weniger Nachkommen und niedrige Einkommen bedeuten viele Nachkommen"(Kernig,2006:7). Bevölkerungsentwicklung und Wohlstand hängen demnach heute eng zusammen. ...



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