Gedichte von Gülbahar Kültür


WUNDERSAM

Aus einer dicken Staubwolke
trat ein dezentes Lächeln hervor.
Ich sah
wie eine scheinbare Unmöglichkeit
an eine große Wahrscheinlichkeit grenzte.

Aus einem kalten Schmerz
wuchs ein stiller Sturm heran.
Ich sah
wie ein lichtgesegnetes Gewitter
um die Feuersäule des Lebens tänzelte.

Aus einer schwindelerregenden Höhe
stieg ein beflügelter Traum herab.
Ich sah,
wie ein angeschwollenes Heimweh
sich mit einem herzhaften Willkommensgruß vermählte.

NICHTS ALS WORTE

Die bedeutungsschwangeren Worte
schmiegen sich an inhaltsreiche.
Die armen folgen den vielversprechenden.
Die irreführenden zweifeln
an der Zurechnungsfähigkeit der vernünftigen.
Die mehrfach ausgekauten suchen Schutz
bei den unversehrten.
Die gezeichneten gesellen sich
zu den niedergeschriebenen.

Die geblümten schreiten auffallend,
glänzen prächtig und blenden.
Derweil tänzeln die schillernden lustwandelnd
zu den glühenden.
Die haarigen lassen sich neu frisieren
und hofieren die widerspenstigen.

Die angedeuteten suchen die Gesellschaft
der akzentuierten,
die unterstrichenen die Nähe
der besiegelten.
Die erwähnten kreisen gern
um die haltbaren.
Die freundlichen grüßen die korrekten.

Die inbrünstigen sind nicht gut zu sprechen
auf die herrschsüchtigen.
Die heiteren hüpfen rüber
zu den humorvollen
und amüsieren sich köstlich
über die Geistesabwesenheit der verträumten.
Die taktvollen blicken schief
auf die gemunkelten.
Die peinlichen tappen im Dunkel,
während die aufgeweckten sattelfest
von einer Bedeutung zur anderen galoppieren.

Während die einsichtigen an Format gewinnen,
kokettieren die schlauen mit den scharfsinnigen.
Die dringenden begeben sich auf die Suche
nach den neubelebten.
Die diskreten und die aparten bilden
eine eigene Kompanie.
Außer den geistreichen und bekömmlichen
empfangen sie keine anderen sinnverwandten.
Die schüchternen sind etwas verhalten
und halten sich meist bei den verschleierten auf.

Sie alle,
ob sie farbenfroh ausgemalt sind oder gut ausgekocht,
ob sie klangvoll ertönen oder sachkundig irren,
ob sie schlagende Argumente liefern
oder Herzen zu erobern wissen,
wie sie alle auch sein oder heißen mögen.
Stets steht ihnen der Sinn nach Zusammenhängen.

Sie taumeln, schwanken, wackeln,
bewegen, kriechen, schwindeln,
wollen wohl behütet und gut bemäntelt
fürstlich glänzen.
Allein die weisen haben begriffen,
dass es höchste Zeit ist,
sich zu besinnen.



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