Berichte zu Alt ist nicht gleich alt



Ausstellungseröffnung Mitmischen 2.0

Am 29.08.18 haben wir die Ausstellung Mitmischen 2.0 unserer Malgruppe interkultureller Frauen im Ella-Ehlers-Haus eröffnet. Kommen Sie doch vorbei!





Die Ausstellung kann noch bis zum 30. November 2018 besucht werden
Öffnungszeiten: täglich von 10.00 - 17.00 Uhr
im AWO - Pflegeheim | Ella-Ehlers-Haus
Dockstraße 20, 28237 Bremen

Download Flyer: Flyer_Einladung_Malgruppe_2_0_2018.pdf


14.09.2018 | Fotos: ZIS

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Mitmischen! - 2.0

Die Hobbymalerinnen beim Zentrum für Migranten laden ein zur Eröffnung der Ausstellung
am 29.08.2018 um 15.00 Uhr
im Ella-Ehlers-Haus

Die Frauen-Malgruppe des Zentrums für Migranten und Interkulturelle Studien (ZIS) präsentiert eine weitere Ausstellung unter dem Titel ,,Mitmischen!- 2.0" im Rahmen der 6.Bremer Integrationswoche.

Die aus der Türkei und Portugal stammenden Hobbymalerinnen haben sich unter der Leitung von Frau Sümer mit einem breiten Spektrum an Naturabbildungen auseinandergesetzt und mittels Acrylfarbe ihre Motive auf die Leinwände gebracht.

Die Malgruppe ist im Rahmen des vom Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat geförderten Projekts ,,Alt ist nicht gleich alt" entstanden, das im Dezember 2017 zum Projekt des Monats ausgezeichnet wurde. Die Frauen entdecken ihre Talente in einem für sie neuen Bereich und werden dadurch in der Öffentlichkeit ,,sichtbar". Freiwilliges Engagement und gesellschaftliche Teilhabe werden durch das Projekt gefördert.

Wir danken dem Ella-Ehlers-Haus als Kooperationspartner für die Unterstützung!


Die Ausstellung kann besucht werden vom 29. August bis zum 30. November 2018
Öffnungszeiten: täglich von 10.00 - 17.00 Uhr
im AWO - Pflegeheim | Ella-Ehlers-Haus
Dockstraße 20, 28237 Bremen

Download: Flyer_Einladung_Malgruppe_2_0_2018.pdf


18.08.2018 | Bild: Zeynep Sümer, Flyer: ZIS

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Einladung zur Vortragsreihe "Wandel in der Gesellschaft"
"Mitmischen! Die 1.Generation der 'Gastarbeiter*innen' in Bremen macht sich sichtbar"

Im Rahmen der wissenschaftlichen Vortragsreihe "Wandel in der Gesellschaft" lädt das Zentrum für Migranten in Kooperation mit der Stadtbibliothek Bremen herzlich ein zu der Veranstaltung:
"Mitmischen! Die 1.Generation der 'Gastarbeiter*innen' in Bremen macht sich sichtbar"

Referentinnen: Zeynep Sümer, Juristin, Vorstandsmitglied der Seniorenvertretung der Stadtgemeinde Bremen
Gudrun Münchmeyer-Eliş, Dipl.Sozialwissenschaftlerin, Zentrum für Migranten und Interkulturelle Studien

04.04.2018 17:00 h Stadtbibliothek Bremen

2.OG in der Krimibibliothek, Zentralbibliothek
, Am Wall 201, 28195 Bremen

Die Lebensleistungen der 1.Generation der `Gastarbeiter*innen` werden in Deutschland nur wenig wahrgenommen.
In der öffentlichen Diskussion geht es beim Stichwort Zuwanderung in den letzten Jahren hauptsächlich um Flucht und Integrationsmaßnahmen. Dadurch sind diejenigen, die seit Jahrzehnten in Deutschland leben, noch weiter in den Hintergrund gerückt.

Die Generation der älteren Migrant*innen, die teilweise schon 50 Jahre in Deutschland lebt, hat eine Menge zu sagen. Diese Frauen und Männer berichten aus ihrem Erfahrungsschatz, arbeiten ihre Migrationsgeschichte(n) auf und planen ein ,,Virtuelles Migrationsgeschichtsmuseum".

In einer Diskussionsrunde am 4.April kommen Migrant*innen der 1.Generation zu Wort und mit dem Publikum ins Gespräch. Sie wollen nicht länger ,,unsichtbar" sein sondern ihre Erfahrungen teilen: mit Menschen aller Generationen, die in Deutschland aufgewachsen sind, und mit Neuzuwanderern.
Zur Abrundung der Veranstaltung werden Beispiele interkultureller Begegnungen gezeigt, die durch freiwillig engagierte Migrantinnen im Rahmen des Projektes ,,Alt ist nicht gleich alt" bereits stattfinden. - ,,Mitmischen" im Stadtteil - ,,Mitmischen" in Bremen!

Informationen zum Veranstalter:
Seit seiner Gründung 1981 setzt sich das Zentrum für Migranten und Interkulturelle Studien für die Förderung der Integration der in Bremen lebenden Migranten ein. Das ZIS leistet Integrationsarbeit durch vielfältige Projekte für Jung und Alt sowie durch Integrations- und Sprachkurse. Interkulturelle Begegnungen zu fördern und Studien durchzuführen, damit Teilhabe und die Integration durch wechselseitige Prozesse in den Fokus der Gesellschaft rücken, sind ein besonderes Anliegen des Zentrums für Migranten.

Weitere Infos: Ali Eliş, alielis@zis-tdi.de
Tel. 0421-6167686
Download Einladung [pdf]


19.03.2018 | Foto: ZIS

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Erfolgreich ,mitgemischt'

Zur Eröffnung der Ausstellung ,,Mitmischen! Acrylbilder interkultureller Hobbymalerinnen" empfingen die Frauen-Malgruppe und das ZIS-Team die Besucher*innen in der Stadtbibliothek Gröpelingen. Die gut 30 Werke wurden anlässlich des Internationalen Frauentages präsentiert.

Die Geschäftsführerin des Zentrums für Migranten und Interkulturelle Studien, Gudrun Münchmeyer- Eliş, begrüßte die Anwesenden mit einer Ansprache. Dieser folgte eine Eröffnungsrede, in denen den Teilnehmerinnen der Malgruppe und ihrer Leiterin Zeynep Sümer für ihre interkulturelle Zusammenarbeit und den Entschluss, mit ihren vielfältigen Bildern in die Öffentlichkeit zu treten, gedankt wurde. Anschließend konnten die ca. 50 Gäste die bunten Leinwände bestaunen und beim Sektempfang und einem kleinen Buffet untereinander und mit den Hobbymalerinnen ins Gespräch kommen.





19.03.2018 | Fotos: Gudrun Münchmeyer-Elis, ZIS; Gülsüm Tan

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Kurz-Interviews mit den Frauen der Malgruppe

Mariana Pereira:
,,Das Malen beruhigt mich. Es ist meine liebste Beschäftigung. Ich probiere dabei gerne unterschiedliche Materialen aus, mal benutze ich Acrylfarbe, mal Ölfarbe oder arbeite auf Holz. Bereits vor 20 Jahren habe ich damit angefangen, mich in meiner Heimat Portugal - ebenfalls im Rahmen eines Malkurses - kreativ zu betätigen."

Ayse Hüner:
,,Ich bin hier, um malen zu lernen. An dieser Gruppe gefällt mir besonders gut, dass uns Frau Zeynep Sümer Ratschläge gibt, mit Hilfe derer wir unsere Technik verbessern können. Mein Lieblingsmotiv ist die Natur, ich bilde gerne Landschaften und Blumen in den verschiedensten Farben ab. Die Arbeit mit Pinsel und Leinwand tut mir einfach gut."

Sevgi Balci:
,,Durch das Spiel mit den unterschiedlichen Farbentönen kann ich etwas Neues erschaffen, was mir viel Spaß bereitet. Ich orientiere mich beim Malen an Vorlagen wie Fotos, aber bringe auch immer meine eigenen Ideen und Vorstellungen mit ein. Die Atmosphäre innerhalb der Gruppe ist sehr angenehm, wir verstehen uns alle gut, unterhalten uns und lachen auch miteinander. Wenn ich allerdings konzentriert bei der Arbeit bin, kann ich alles andere ausblenden und mich entspannen."

Özdal Dincel:
,,Ursprünglich bin ich Schneiderin, was ja auch eine kreative Tätigkeit ist. Ich habe aber schon immer darüber nachgedacht, mich einmal am Malen zu versuchen. Inzwischen tue ich das seit drei Jahren, habe aber erst durch das Angebot der Frauenmalgruppe richtig begonnen. Am liebsten widme ich mich Naturabbildungen und Menschendarstellungen. Dabei suche ich mir absichtlich keine einfachen Motive aus - die Vorlagen müssen mich herausfordern!"


21.03.2018 | ZIS

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Eröffnung der Ausstellung ',,Mitmischen!" Acrylbilder interkultureller Hobbymalerinnen'
am 8.März 2018 in der Stadtbibliothek West

Begrüßung durch Gudrun Münchmeyer-Eliş, Geschäftsleitung ZIS

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freundinnen, Kolleginnen, Kooperationspartner,

herzlich willkommen zu der Ausstellung ,,Mitmischen!". Für die Eröffnung der Ausstellung haben wir den 8.März, den Internationalen Frauentag, gewählt. Das geschah nicht zufällig. Unsere Hobbymalerinnen haben es sich so gewünscht. Zu diesen ganz besonderen Frauen und den Hintergründen der Malgruppe erfahren Sie später mehr.

Mein Name ist Gudrun Münchmeyer-Eliş, meine Aufgaben sind die Geschäftsführung des ZIS - Zentrum für Migranten und Interkulturelle Studien- und mein Schwerpunkt ist die Arbeit mit älteren Menschen.

Im Namen des ZIS bedanke ich mich herzlich bei der Stadtbibliothek West dafür, dass wir diese Ausstellung bis Ende April hier zeigen dürfen. Die Bibliothek ist unser Kooperationspartner seit vielen Jahren durch die Vernetzung im Stadtteil und jetzt auch Kooperationspartner im Projekt ,,Alt ist nicht gleich alt", in dessen Rahmen die Malgruppe entstand und die Ausstellung.

Ich möchte jetzt unsere 10 Hobbymalerinnen vorstellen: Sevgi Balci, Özdal Dincel, Nur?en Özçelik, Ay?e Hüner, Nuray Gürsel, Yurdanur Arslan, Havva Cengiz, Necla Efe, Nurten Köksal und Mariana Pereira. Aus gesundheitlichen Gründen können leider heute nicht alle hier sein. Besonders begrüßen wir jetzt die Leiterin der Malgruppe, Zeynep Sümer. Frau Sümer ist im Vorstand der Seniorenvertretung der Stadtgemeinde Bremen und im Vorstand des ZIS tätig. Die Leitung der Malgruppe und ihre vielen Aufgaben hat sie ehrenamtlich übernommen.

Zurück zur Ausstellung: Warum haben wir die Ausstellung ,,Mitmischen!" genannt? Wie ist die Malgruppe entstanden? Was sind die Ziele? Was ist das für eine Gruppe von Frauen? Das erfahren Sie gleich von Franziska Marien. Sie studiert Kulturwissenschaften und Kunst- Medien- Ästhetische Bildung an der Universität Bremen. Zurzeit absolviert sie ein Praktikum beim ZIS und hat unsere Malgruppe in den letzten Wochen begleitet, Interviews durchgeführt und die Ausstellung vorbereitet und aufgebaut.

Nochmal herzlichen Dank an alle Kolleginnen und Kollegen sowie weitere Unterstützerinnen der Ausstellung!


21.03.2018 | Foto: Gudrun Münchmeyer-Elis, ZIS

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Eröffnungsansprache zur Ausstellung ,Mitmischen! Acrylbilder interkultureller Hobbymalerinnen'

Text von Franziska Marien

Interkulturalität bedeutet, mit Personen, die unterschiedlichen Kulturkreisen angehören, in Kontakt zu treten. Dabei treffen unterschiedliche Werte, Perspektiven und unterschiedliches Wissen aufeinander. In unserer heutigen Zeit gewinnt Interkulturalität immer mehr an Bedeutung, denn kulturelle Grenzen werden in modernen, global vernetzten Gesellschaften täglich überschritten. Und genau das passiert auch in Gröpelingen. Die Frauen der Malgruppe begegnen sich, lernen sich kennen und können über die Zeit Vertrauen zueinander aufbauen.

Gelebte Interkulturalität, wie sie in dieser Gruppe stattfindet, bietet durch den Austausch die Chance, neben den Unterschieden auch viele Gemeinsamkeiten zwischen den Kulturen zu entdecken. Dadurch können Vorurteile abgebaut und es kann auf bereichernde Weise voneinander gelernt werden.

Darüber hinaus interpretiere ich Interkulturalität auch so, dass man mit sich selbst, und nicht nur mit den anderen einen Dialog eingeht, dass man mit seinem Inneren in eine Wechselbeziehung tritt. Dabei können die Frauen ihren Alltag, alles andere um sich herum vergessen, sich selbst und ihr Inneres in die Werke einfließen lassen. Der Kurs eröffnet den Teilnehmerinnen die Möglichkeit, eine gänzlich neue Seite ihrer selbst, ein unentdecktes Talent - das Malen - kennenzulernen. Dadurch können sie Selbstvertrauen entwickeln und haben mit dem Malen ein Hobby ganz für sich allein, auf dessen Fortschritt und Resultate sie stolz sein können - betrachte man nur diese wunderschönen und besonderen Werke.

Der bekannte Künstler Paul Klee sagte einmal: ,,Die Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern macht sichtbar". In unserem Fall könnte dieses Zitat unter anderem bedeuten, dass die Ausstellung den Frauen die Chance gibt, mit ihren Arbeiten in den öffentlichen Raum zu treten, mittels der Bilder an Aufmerksamkeit für ihre Sache und sie selbst als Personen zu gewinnen und durch die Hobbykunst ein klares Zeichen in Richtung Mitgestaltung der Gesellschaft zu setzen.

Auf diese Art und Weise in die Öffentlichkeit zu treten bedeutet auch, Teil an genau dieser zu haben. Teilzunehmen ist ein Prozess des Gebens und Nehmens. Die Frauen greifen das Angebot auf, das Malen zu erlernen und gleichzeitig geben sie einander den gemeinsamen Raum, in dem sie sich austauschen, unterstützen und zusammen kreativ werden können. Sie ziehen die Hilfestellung und Vorschläge der Gruppenleiterin, Zeynep Sümer, zurate und können sich anhand dieser verbessern. Frau Sümer steht den Frauen stets mit Rat und Tat zur Seite, nimmt sich den Belangen jedes Gruppenmitgliedes an und legt, wie ich es selbst sehen konnte, ihr ganzes Herzblut in die Sache. Dafür sind das ZIS und mit Sicherheit auch die Frauen-Malgruppe, dir, Zeynep, sehr dankbar! Auf der anderen Seite ermöglichen die Hobbymalerinnen uns als Besucher*innen, ihre Arbeiten bestaunen zu dürfen und einen Einblick in das Kursgeschehen zu erlangen. Auch dafür möchte ich mich im Namen des ZIS- Teams herzlich bei Ihnen allen bedanken. Und unter den Danksagungen ist natürlich auch die Stadtbibliothek West hier in Gröpelingen ohne Frage zu nennen. Vielen Dank dafür, dass sie den Damen die Ausstellungsfläche zur Verfügung stellen und infolgedessen vielleicht auch andere Bewohnerinnen Gröpelingens oder Bremens auf das Angebot der Malgruppe aufmerksam werden oder sich inspiriert fühlen, in welcher Art auch immer in ihrer Freizeit gestalterisch aktiv zu werden.

Die Ausstellung anlässlich des Weltfrauentages heute am 08. März stellt einen ,krönenden Meilenstein im Schaffensprozess' der Gruppe dar, denn es wird weitergehen und vielleicht können wir uns schon bald auf eine weitere Präsentation mit vielen tollen, neuen Arbeiten freuen! Aber erstmal werden wir uns heute und bis Ende April an diesen Schmuckstücken erfreuen.

Vielen Dank an alle die mitgewirkt haben, an Frau Zeynep Sümer und die Stadtbibliothek in Gröpelingen noch einmal und ganz besonders an die Frauen der Malgruppe!


21.03.2018 | Foto: Gudrun Münchmeyer-Elis, ZIS

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,,Ihre künstlerische Ader war schon immer vorhanden"


Das Interview führte Franziska Marien

Bald werden sie es wohl eine jährliche Tradition nennen können: Unter dem Titel ,,Mitmischen! Acrylbilder interkultureller Hobbymalerinnen" zeigt die Frauen- Malgruppe des ZIS zum Internationalen Frauentag, der am 08. März stattfindet, zum zweiten Mal eine Auswahl ihrer Werke in der Stadtbibliothek West in Gröpelingen. Zeynep Sümer, die als ehrenamtliche Leiterin der Gruppe engagiert ist, gibt einen Einblick in die Arbeit, aus der die Acrylbilder entstehen.

Franziska Marien: Frau Sümer, wie ist die Frauen-Malgruppe entstanden und seit wann gibt es sie offiziell?
Zeynep Sümer:
Inspiriert durch einen Kurs im Marmorieren des Zentrums für Migranten und Interkulturelle Studien e.V., an dem ich privat teilgenommen hatte, kam mir die Idee, ehrenamtlich eine Kreativ-Gruppe für Frauen beim selbigen Verein anzubieten. Die 1. Generation der Migrantinnen ist sehr geübt in Sachen Handarbeit, sei es in Form von stricken, häkeln oder sticken. Ihre künstlerische Ader war also schon immer vorhanden! Dementsprechend dachte ich, warum sollte man dieses Potenzial nicht auch für das Malen nutzen können? Daraufhin habe ich mit Gudrun Münchmeyer-Eli?, der Geschäftsführerin des ZIS, gesprochen, die den Einfall auf Anhieb gut fand. Die Frauen-Malgruppe ist als Teil des Projekts ,,Alt ist nicht gleich alt" im vergangenen Jahr ins Leben gerufen worden und seitdem treffen wir uns zweiwöchentlich in den Räumlichkeiten des ZIS im Stiftungsdorf Gröpelingen.

Franziska Marien: Welchem Ziel dient das Angebot?
Zeynep Sümer:
Die Frauen können durch die kreative Arbeit ihre Talente entdecken und feststellen, zu wie viel sie in der Lage sind. Ich wünsche mir, dass sie an Selbstvertrauen gewinnen, ermutigt in die Gesellschaft gehen und auch von Außenstehenden stärker als aktive Mitglieder dieser wahrgenommen werden. Deshalb gehört der Kurs auch dem ZIS- Projekt ,,Alt ist nicht gleich alt an". Es geht dabei darum, sich mit Hilfe der eigenen Fähigkeiten gegenseitig zu unterstützen, Potenziale hervorzubringen und am Ende des Tages feststellen zu können, dass man einander bestärkt und eine Freude bereitet hat.

Franziska Marien: Bringen die Frauen bereits Kenntnisse mit, wenn sie zum ersten Mal die Gruppe besuchen?
Zeynep Sümer:
Die ersten Teilnehmerinnen hatten kaum Vorerfahrung im Bereich des Malens. Einige hatten zwar Kunstunterricht in der Schule, darauf beschränkte es sich allerdings. Um für alle eine Grundlage zu schaffen, haben wir zunächst einmal angefangen, Stillleben zu zeichnen. Beim Abzeichnen mit Bleistift, beispielsweise von Äpfeln oder Blumen, kann man den exakten Blick schärfen, die Abbildung der Formen trainieren und das Spiel von Licht und Schatten begreifen. Nach dieser Einführung sind wir zur Arbeit mit Acrylfarbe übergegangen und haben uns mit nuanciertem Farbenmischen, Schattierungen und den Grundregeln des Malens beschäftigt. Inzwischen befinden sich auch Damen unter uns, die, wie unsere Schneidermeisterin Özdal Dincel, in ihrem beruflichen Leben einer kreativen Tätigkeit nachgegangen sind oder schon seit mehreren Jahren das Malen als eines ihrer Hobbys pflegen und im Zuge dessen schon einige Werke ausgestellt oder sogar verkauft haben.

Franziska Marien: An wen richtet sich das Angebot der Frauen-Malgruppe?
Zeynep Sümer:
Zu uns können ältere Frauen jeglichen Hintergrundes kommen, mit oder ohne Vorkenntnisse, was das Malen betrifft. Ob aus der Türkei, Portugal, Deutschland oder sonst jeder anderen Nation stammend - wir freuen uns über eine vielfältige Gruppenzusammensetzung und jede, die Lust hat den Pinsel zu schwingen. Bei uns steht der Mensch selbst im Vordergrund und dabei spielt es eine untergeordnete Rolle, ob jemand, sagen wir, aus Anatolien oder einem anderen Teil der Erde kommt. Wir möchten einen vorurteilsfreien und freundschaftlichen Umgang fördern.

Franziska Marien: Welchen Eindruck, haben Sie, bewirkt das Malen bei den Frauen?
Zeynep Sümer:
Wenn ich den stetigen Fortschritt bezüglich ihrer Fähigkeiten betrachte, bin ich einfach stolz. Und das bemerken die Frauen auch selbst! Ich erinnere mich zum Beispiel daran, dass sich ein Besucher bei unserer letzten Ausstellung erkundigte, wer wohl dieses bestimmte, wunderschöne Bild gemalt hätte, woraufhin ihm eine Kursteilnehmerin voller Stolz mitteilte, dass sie es gewesen sei. Sie können an Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl gewinnen.

Franziska Marien: Und wenn man zusätzlich die Anerkennung einer anderen Person bekommt, steigt dieser Stolz auf die eigene Leistung sicher noch mehr an, oder?
Zeynep Sümer:
Ja, genau! Selbst wenn ein Motiv einmal nicht auf Anhieb gelingt, kann man es immer verbessern und solange daran arbeiten, bis man zufrieden ist. Ich versuche, die Frauen zu motivieren weiterzumachen, biete ihnen meine Hilfe an und zeige ihnen, dass sie erreichen können, was sie sich vorgenommen haben.

Franziska Marien: Das klingt nach einem guten Ansatz! Wie beschreiben Sie die Atmosphäre innerhalb der Gruppe?
Zeynep Sümer:
Generell sehr gut und auch lustig. Es gibt Tage, an denen alle so sehr auf ihre Leinwände konzentriert sind, dass es mucksmäuschenstill ist. Dann sage ich zu ihnen: ,,Leute, redet miteinander!" Aber im Allgemeinen unterhalten sie sich auch, finden gemeinsame Themen und lachen. Wir haben ein freundschaftliches Verhältnis zueinander, unterstützen uns gegenseitig und das Gefühl von Neid in Bezug auf die Fertigkeiten der anderen ist uns wirklich fremd.

Franziska Marien: Zu welchen Themen malen die Frauen?
Zeynep Sümer:
Die Frauen suchen sich ihre Vorlagen selbst aus. Meist beschäftigen sie sich mit Naturdarstellungen wie Landschaften, Blumen etc. Sie legen jedoch auch ihre eigene Fantasie in die Werke, bilden also nicht eins zu eins ab. Mal fügen sie Elemente hinzu, abstrahieren ein wenig oder verändern die Farbtöne.

Franziska Marien: Welche Techniken wenden Sie an?
Zeynep Sümer:
Hauptsächlich Acrylfarbe, die den Vorteil hat, dass man sie abwaschen kann, wenn das Gemalte nicht gefällt. Einige von uns benutzen auch Naturmaterialien wie zum Beispiel Blätter, getrocknete Blumen oder kleine Stöcke und arbeiten sie collagenartig in die Motive ein. Nach der diesjährigen Ausstellung werde ich den Teilnehmerinnen vorschlagen, auf Holz zu malen, um einmal etwas anderes auszuprobieren.

Franziska Marien: Warum möchten die Hobbymalerinnen durch ihre Ausstellung in die Öffentlichkeit treten?
Zeynep Sümer:
Wir als ältere Menschen im Allgemeinen und teilweise auch als 1. Generation der ursprünglichen Gastarbeiter*innen möchten in der Öffentlichkeit stärker wahrgenommen werden. Die Bilder sind ein Werkzeug, um zu verdeutlichen, dass auch dieser Teil der Gesellschaft aktiv ist, Fähigkeiten besitzt und ihr etwas beizutragen hat. Man muss nicht unbedingt jung sein, um etwas Neues zu lernen, kreativ oder wie auch immer tätig zu sein und sogar eine Ausstellung auf die Beine stellen zu können!

Franziska Marien: Apropos: Wie war die Ausstellung im letzten Jahr?
Zeynep Sümer:
Unsere Bilder haben wir 2017 im Gemeinschaftsraum des ZIS ausgestellt, also in einem etwas kleineren Rahmen. Wir hatten wirklich viele Besucher*innen und es war schön zu sehen, dass unsere Sache auch auf so viel Interesse von außen stieß. Die Bilder konnten damals nur einen Tag lang gezeigt werden. Deshalb ist es umso toller, dass wir das Ganze dieses Mal einem größeren Publikum präsentieren können, da die Werke in der Stadtbibliothek West in Gröpelingen vom Internationalen Frauentag, dem 08. März, bis zum 30. April hängen bleiben werden. Darüber freuen wir uns sehr!

Franziska Marien: Vielen herzlichen Dank für das Interview, Frau Sümer!


07.03.2018 | Foto: Franziska Marien, ZIS - Gemälde: Zeynep Sümer

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Einladung zur Eröffnung der Ausstellung
,Mitmischen! Acrylbilder interkultureller Hobbymalerinnen'

Auf den Erfolg der Ausstellung im vergangenen Jahr präsentiert die Frauen-Malgruppe des Zentrums für Migranten und Interkulturelle Studie (ZIS) anlässlich des Internationalen Frauentages am 08. März eine Auswahl ihrer Bilder in der Stadtbibliothek West in Gröpelingen.

Thematisch haben sich die aus der Türkei und Portugal stammenden Teilnehmerinnen mit einem breiten Spektrum an Naturabbildungen auseinandergesetzt und mittels Acrylfarbe eine Vielzahl von Motiven auf die Leinwände gebracht. Der Kurs, der von der freiwillig engagierten Frau Zeynep Sümer angeleitet wird, findet im Rahmen des interkulturellen Projekts ,,Alt ist nicht gleich alt" des ZIS statt. Dieses wurde im vergangenen Dezember vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge zum Integrationsprojekt des Monats ausgezeichnet. Den Frauen mit Migrationshintergrund soll ermöglicht werden, sich in einem neuen, kreativen Bereich auszuprobieren, ihre Talente zu entdecken, stärker am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu können und sich in der Öffentlichkeit ,sichtbar' zu machen.

Zur Eröffnung der Ausstellung laden wir herzlich alle Interessierten und Kunstbegeisterten am 08.03.2018 um 15:00 Uhr in die Stadtbibliothek West am Gröpelinger Bibliotheksplatz ein. Nach dem Eröffnungstag kann die Ausstellung noch bis zum 30.04.2018 zu den regulären Öffnungszeiten der Stadtbibliothek (Mo., Di., Do., Fr. 11:00-18:00 Uhr, Sa. 10:00-13:00 Uhr, Mi. geschlossen) besucht werden.

Den dazugehörigen Flyer mit weiteren Informationen finden Sie hier:
Als PDF zum Download


26.02.2018 | Flyer: ZIS ; Gemälde: Zeynep Sümer

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BAMF Projekt des Monats: "Alt ist nicht gleich alt"

Unser Projekt Alt ist nicht gleich alt" wurde vom BAMF zum Projekt des Monats Dezember gekürt.

Den gesamten Beitrag mit tollen Fotos finden Sie:
Auf der Webseite des BAMF


08.01.2018 | Bild: BAMF - Dennis Williamson

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